Mit dem Energiefluss-Simulator kannst du den Energieverbrauch, die
Stromkosten und die Energieflüsse von Photovoltaikanlagen,
Elektrofahrzeugen, E-Traktoren und Batteriespeichern berechnen und visualisieren.
Die Simulation zeigt, wie sich unterschiedliche Strompreise,
PV-Anlagen, Fahrzeugakkus und stationäre Batteriespeicher auf den
Energiebedarf und die Wirtschaftlichkeit auswirken.
Dieser Simulator ist im Rahmen meiner Masterarbeit an der TU Wien mit dem Titel
Batterie-Elektrische Antriebe in der Landwirtschaft
entstanden. Ziel war es, verschiedene Antriebsarten hinsichtlich Wirtschaftlichkeit zu vergleichen und das
Sparpotenzial bei Umrüstung von Dieselantrieben auf E-Antriebe in Kombination mit einer PV-Anlage und
eventuelles Puffern abzuschätzen. Seit dem habe ich den Simulator laufend weiter entwickelt und ist nun auch
für Haushalte und Gewerbebetriebe anwendbar.
1. Grundlagen
Der Simulator bildet die Energieflüsse eines Haushalts, eines
landwirtschaftlichen Betriebs oder eines Gewerbebetriebs ab. Dabei
werden Stromverbrauch, PV-Erzeugung, Fahrzeugnutzung und
Batteriespeicher zeitlich miteinander verknüpft.
Ziel der Simulation ist es, verschiedene Szenarien miteinander vergleichbar zu machen. Zum Beispiel kann
untersucht werden, ob sich ein Elektrofahrzeug, ein E-Traktor, eine größere PV-Anlage oder ein
zusätzlicher Batteriespeicher wirtschaftlich lohnt.
Vereinfachte Darstellung der Energieflüsse
Die elektrische Energie kann im Modell aus mehreren Quellen stammen:
aus der Photovoltaikanlage,
aus dem öffentlichen Stromnetz,
aus einem stationären Batteriespeicher,
aus den Akkus der Elektrofahrzeuge.
Der Strom wird für den normalen Verbrauch, zum Laden der Akkus und
für den Betrieb der Fahrzeuge verwendet. Überschüssige Energie kann
eingespeichert oder ins Netz eingespeist werden.
2. Stromverbrauch und Strompreise
Jahresstromverbrauch
Hier wird der jährliche Stromverbrauch des Hauses oder Betriebs
eingetragen. Der Verbrauch der Fahrzeuge wird separat über deren
Nutzung berechnet und sollte deshalb nicht zusätzlich im
Jahresstromverbrauch enthalten sein. Als Ausgangswert eignet sich der tatsächliche Stromverbrauch der
letzten Jahre. Je genauer der Verbrauch bekannt ist, desto
aussagekräftiger ist die Simulation.
Fixpreis oder Spotpreis
Bei einem Fixpreis werden ein gleichbleibender Strompreis sowie Einspeisevergütung für das
gesamte Simulationsjahr verwendet. Das ist die Einstellung für die meisten Haushalte oder Landwirtschaften.
Bei einem Spotpreistarif verändert sich der Strompreis abhängig von der jeweiligen Stunde, seit
1. Oktober 2025 im 1/4-Stunden Intervall. Dadurch kann untersucht werden, wie sich ein zeitlich gesteuertes
Laden der Fahrzeuge und Batteriespeicher auswirkt.
Strompreis
In dieses Feld gehören die gesamten variablen Kosten für den Strombezug.
Dazu zählen insbesondere:
Arbeitspreis,
Netzkosten,
weitere variable Gebühren.
Umsatzsteuer.
Fixe monatliche Grundgebühren werden in diesem Eingabefeld nicht
berücksichtigt, sofern sie nicht ausdrücklich als variable Kosten
angesetzt werden.
Einspeisevergütung
Die Einspeisevergütung gibt an, wie viel Geld für jede ins Stromnetz
eingespeiste Kilowattstunde gutgeschrieben wird.
Abwicklungsgebühr und Netzkosten
Bei einem Spotpreistarif werden die Abwicklungsgebühr, Netzkosten und Ust. angegeben. Die Kosten für eine
bezogene kWh wird je 1/4-Stunde wie folgt berechnet:
(Spotpreis + Abwicklungsgebühr + Netzkosten) x (1 + Ust/100) [€/kWh]
Die Einspeisevergütung
Spotpreis - Abwicklungsgebühr [€/kWh]
Lastprofil
Es kann zwischen verschiedenen Standard-Lastprofilen
(BDEW) ausgewählt werden.
Zur Auswahl stehen unter anderem:
Haushalt,
Haushalt mit Wärmepumpe,
Landwirtschaft und Milchbetrieb,
Landwirtschaft allgemein,
verschiedene Gewerbebetriebe,
Straßenbeleuchtung.
Das gewählte Profil beeinflusst die zeitliche Verteilung des
Verbrauchs und damit auch den Eigenverbrauch der PV-Anlage.
Referenzjahr
Das Referenzjahr bestimmt, welche Aufzeichnungen zur
Sonnenstrahlung und zu den Spotpreisen für die Simulation verwendet
werden. Für einen realistischen Vergleich sollte ein Jahr gewählt
werden, das möglichst gut zu den gewünschten Rahmenbedingungen
passt.
3. Photovoltaikanlage
Standort
Gib den ungefähren Breitengrad und Längengrad des Standorts ein, dann werden die passenden Werte der
Sonneneinstrahlung, die an diesem Ort im Referenzjahr aufgezeichnet wurden, verwendet.
PV-Module
Klicke auf "Modul hinzufügen" oder "Modul entfernen", um eine beliebige Anzahl von Modulen anzulegen. Für
jedes Modul kann die Leistung, die Neigung und die Ausrichtung separat angegeben werden.
PV-Leistung
Die PV-Leistung wird in Kilowatt Peak (kWp) angegeben. Sie beschreibt die maximale elektrische Leistung der
Photovoltaikanlage unter standardisierten Bedingungen. Eine größere PV-Anlage erzeugt grundsätzlich mehr
Energie. Sie führt aber nicht automatisch zu geringeren Kosten, da ein größerer Anteil der Erzeugung
möglicherweise ins Netz eingespeist wird. Am wirtschaftlichsten ist es oft, wenn der Jahresertrag etwa gleich
dem Jahresverbrauch (also Haus, Hof und Fahrzeuge) ist.
Modulneigung
Die Modulneigung wird in Grad angegeben:
0°: horizontale beziehungsweise flache Montage,
90°: senkrechte Montage.
Ausrichtung
Die Ausrichtung wird ebenfalls in Grad angegeben:
0°: Süden,
-90°: Osten,
90°: Westen,
±180°: Norden.
4. Batteriespeicher und Fahrzeugakkus
Gesamte Akkukapazität
Die Akkukapazität wird in Kilowattstunden (kWh) angegeben. Der Wert
umfasst die Akkus aller Fahrzeuge sowie einen möglichen stationären
Batteriespeicher.
Wenn keine Fahrzeuge angelegt werden, entspricht die Kapazität dem
stationären Speicher. Ist die eingegebene Gesamtkapazität größer als
die Summe der Fahrzeugakkus, wird die Differenz als stationärer
Speicher interpretiert.
Wird eine Gesamtkapazität eingegeben, die kleiner als die Summe der Fahrzeugakkus ist, impliziert der Simulator
ein Wechselakkusystem. Das ermöglicht eine Simulation, wo sich mehrere Fahrzeuge einen Pool aus Akkus teilen.
Die pro Fahrzeug angegebenen Kapazität wird bei Einstzen mifgeführt und steht somit nicht zum Laden (oder
bidirektionalen Entladen) während der Einsatzzeit zur Verfügung.
Die Kapazität wird beim Hinzufügen oder Entfernen eines Fahrzeugs automatisch angepasst kann aber gezielt
verändert werden.
Ziel-Ladestand
Der Ziel-Ladestand beschreibt die Reserve in Prozent, bis zu der(die) die Akku(s) mindestens geladen werden
soll(en). Auf diesen Stand werden die Akkus auf jeden Fall geladen, wenn kein PV-Überschuss da
ist, vom Netz. Die restliche Kapazität wird zum Puffern von überschüssigem PV-Strom genutzt. Je niedriger
dieser Wert ist, desto mehr PV-Strom kann aufgenommen werden, aber es kann auch sein, dass die Akkus zu wenig
Reserve haben, um eine spontane Ausfahrt zu machen. 12 Stunden vor dem Benutzen eines Fahrzeugs werden die
Akkus ohnehin auf das notwendige Niveau, berechnet aus dem Tagesprofil, geladen. 0%=keine (garantierte)
Reserve, maximale Kostenoptimierung, 100%=maximale Reserve, minimale Kostenoptimierung. Wenn keine Fahrzeuge
angelegt werden, gibt man hier am besten 0 ein.
Das ermöglicht folgendes praktisches Verhalten zu Simulieren: Jemand, der schnellstmöglich immer alle Akkus
voll haben möchte, gibt 100% ein. Damit hat man die höchstmögliche Verfügbarkeit der Akkus und somit maximale
Flexibilität für die Arbeiten. Jemand, der möglichst viel PV-Überschussstrom aufnehmen möchte, plant die
Aufladung so, dass die Akkus gerade rechtzeitig und nur auf das für die Arbeiten notwendige Niveau geladen
werden, sofern sie nicht ohnehin schon mit Überschussstrom ausreichend voll sind. In diesem Fall gibt man 0%
ein. Jemand, der eine gewisse Reserve haben möchte, aber auch PV-Überschussstrom nutzen
möchte, gibt z.B. 50% ein.
Gerade in der Landwirtschaft ist es nicht sinnvoll, betrachtet man einen vollektrisierten Bauernhof, immer
alle Akkus sofort vollzuladen. Manche Maschinen werden oft nur wenige Wochen im Jahr intensiv genutzt. Der Akku
eines elektrischen Mähdreschers z.B. kann während der Standzeiten als Pufferakku genutzt werden kann.
0 %:
keine feste Reserve in den Fahrzeugen daher höchstmögliche Aufnahme von PV-Überschussstrom (Kostenoptimiert).
100 %:
der Akku wird möglichst vollständig als Reserve vorgehalten. Aufnahme von PV-Überschussstrom nur bedingt möglich.
Bei Fahrzeugen wird ohnehin zusätzlich berücksichtigt, wann das Fahrzeug
benötigt wird und vor der geplanten Nutzung wird der Akku auf den
erforderlichen Ladezustand gebracht. Wenn Fahrzeuge vorhanden sind, aber keine PV-Anlage (PV-Leistung = 0), am
besten 80-100% eingeben. Wenn nur ein Puffer vorhanden ist, ist es am sinnvollsten, 0% einzugeben, um den
Puffer komplett zu nutzen.
Ladeleistung
Die Ladeleistung wird in Kilowatt (kW) angegeben. Die Ladeleistung wird von allen Fahrzeuge + Puffer geteilt.
Der Hintergrund ist, dass in der Regel die Hausanschlussleistung der limitierende Faktor ist.
5. Fahrzeuge und Arbeitsmaschinen
Verschiedene Fahrzeugtypen können in die Simulation aufgenommen werden, wobei folgende Vorlagen zur Verfügung stehen:
Auto mit Benzinantrieb,
Auto mit Dieselantrieb,
Hoftraktor: ganzes Jahr im Einsatz, wird oft und hauptsächlich für leichtere Arbeiten eingesetzt,
Traktor, Schlepper: Haupteinsatzzeit Frühling und Herbst, energieintensive Arbeiten wie z.B. Grubbern,
Mähdrescher.
Vergleich von Verbrennern und Elektrofahrzeugen
Nachdem der Ursprung des Simulators der ist, das Kostensparpotential zu berechnen, wenn Verbrennungsantriebe
durch Elektroantriebe ersetzt werden, wird die benötigte elektrische Energie ausgehende vom ursprünglichen
Benzin- oder Dieselverbrauch berechnet. Daher wird, vielleicht etwas verwirrend, der Treibstoffverbrauch
eingegeben. Zusätzlich wird der Benzin- und Dieselpreise angegeben. Dadurch lässt sich simulieren, wie sich
die Energiekosten durch die Umstellung auf einen elektrischen Antrieb reduzieren.
Treibstoffart
Die Treibstoffart ist insbesondere relevant, weil Benzin und Diesel unterschiedliche Heizwerte haben. Aus
dem Verbrauch wird der Energiebedarf errechnet, der wiederum relevant für die Berechnung des erwarteten
Stromverbrauchs nach Umrüstung auf E-Antrieb ist.
Wirkungsgrad Verbrenner
Mit Treibstoffverbrauch, Treibstoffart und Wirkungsgrad wird die benötigte Antriebsenergie abgeschätzt. Der
Wirkungsgrad kann stark unterschiedlich sein, so ist er z.B. bei einem Mähdrescher wegen der vielen
Keilriemenantriebe, Variatoren, Hydrauliksystem, etc. relativ niedrig. Dies wiederum lässt ein sehr hohes
Sparpotential bei Umrüstung auf effiziente E-Antriebe erwarten.
Nutzungsprofile
Für jedes Fahrzeug sollte möglichst realistisch angegeben werden, wann und wie lange es genutzt wird. Bei
landwirtschaftlichen Maschinen sind insbesondere saisonale Arbeitsspitzen üblich, wie beispielsweise der
Mähdrescher praktisch nur in den Sommermonaten im Einsatz sein wird. Das kann im monatlichen Treibstoffverbrauch
abgebildet werden. Bei konstanter Nutzung übers gesamte Jahr, wie es oft beim Auto der Fall ist, kann einfach
der Jahresbedarf eingegeben werden.
Tagesprofil
Hier wird eingegeben, um welche Stunde geschätzt etwa wie viele kWh verbraucht werden. Bei einem Auto könnte
beispielsweise um 7:00 10 kWh stehen und um 13:00 nochmal 10 kWh. Dazwischen steht das Auto zum Laden (oder
Entladen bei bidirektionaler Nutzung) zur Verfügung. Sollte das Auto von 8 bis 18 Uhr unterwegs sein (z.B.
man fährt in die Arbeit) und verbraucht in Summe geschätzte 20 kWh, gibt man einfach in jeder Stunde von
8 bis 17 h je 2 kWh ein.
Der Simulator errechnet aus dem ursprünglichen Treibstoffverbrauch an wie vielen Tagen das Fahrzeug
mit diesem Profil im Einsatz sein wird, platziert diese per Zufallsgenerator und skaliert den Verbrauch so,
dass eine möglichst genaue Übereinstimmung des errechneten Verbrauchs erreicht wird. Ja, es ist halt eine
Simulation, ganz realistisch ist das nicht, aber es geht ja schließlich um eine bestmögliche Abschätzung.
Wichtiger Hinweis: Die Akku-Kapazität unter Akku - Gesamt ist die gesamte vorhandene Kapazität, also die
Summe aller Fahrzeug-Akkus plus stationären Puffer, falls vorhanden. Die Kapazität bei den Fahrzeugen ist
nur die, die man "mitninnt", also in der Zeit des Gebrauchs nicht zum Laden zur Verfügung steht.
So können z.B. auch mehrere Profile für ein Fahrzeug angelegt werden, wie etwa Arbeit: Auto ist von 8-17h
weg, Einkaufen oder Urlaub, in dem Fall legt man mehrere Autos mit der gleichen Kapazität an und lässt die
Gumme gleich. Oder es kann z.B. ein Mähdrescher angelegt werden, der nur 300 kWh mitnimmt, aber 700 kWh in
Summe vorhanden sind. Der Simulator impliziert, dass Akkus gewechselt werden oder dass in einer Pause
Energie von anderen Fahrzuegen oder vom Pufferakku übertragen wird. In diesem Fall verbleiben nämlich 400 kWh
"am Hof" und können während dem Einsatz mit Sonnenstrom geladen werden.
6. Wirtschaftliches
PV-Kosten
Die PV-Kosten werden in Euro pro kWp eingetragen. Dieser Wert wird
für die wirtschaftliche Bewertung und die Berechnung der
Investitionskosten verwendet.
Akkukosten
Die Akkukosten werden in Euro pro kWh angegeben. Bei Fahrzeugen
sollte möglichst der zusätzliche Preis des Elektrofahrzeugs
gegenüber einem vergleichbaren Fahrzeug mit Verbrennungsmotor
betrachtet werden.
Beispiel: Kostet ein Elektrofahrzeug gegenüber einem vergleichbaren
Verbrenner 5.000 Euro mehr und besitzt der Akku eine Kapazität von
50 kWh, ergibt sich ein Vergleichswert von:
5.000 € ÷ 50 kWh = 100 €/kWh
Kapitalkosten
Die Kapitalkosten berücksichtigen Zinsen für einen Kredit oder
entgangene Erträge aus einer alternativen Verwendung des Kapitals.
Sie werden in Prozent angegeben.
Kreditlaufzeit
Die Kreditlaufzeit legt fest, über welchen Zeitraum eine Investition
finanziert wird. Eine längere Laufzeit kann die jährliche Belastung
reduzieren, führt aber in der Regel zu höheren gesamten
Finanzierungskosten.
Lebensdauer
Die Lebensdauer beschreibt den Zeitraum, über den eine Anlage oder
ein Fahrzeug wirtschaftlich betrachtet wird. Sie wird für die
Berechnung der jährlichen Kosten und der Amortisation verwendet.
7. Simulation starten
Beginne am besten mit den vorausgefüllten Einstellungen.
Klicke auf „Simulation starten“.
Jetzt kannst du Einstellungen ändern, Fahrzeuge hinzufügen/entferenen, Profile anpassen, etc. Klicke wieder
auf „Simulation starten“, um den Unterschied zu sehen.
Für einen aussagekräftigen Vergleich sollten zunächst die aktuellen
Gegebenheiten möglichst realistisch eingegeben werden. Danach können
einzelne Werte verändert werden, um verschiedene Szenarien zu
vergleichen.
8. Ergebnisse verstehen
Zeitverlauf der Leistung
Das Leistungsdiagramm zeigt, wie sich Erzeugung, Verbrauch,
Ladeleistung, Akkustand und Energiebezug/Einspeisung im zeitlichen Verlauf verhalten.
Dadurch wird sichtbar, zu welchen Zeiten PV-Strom direkt genutzt,
gespeichert, aus dem Netz bezogen oder eingespeist wird.
Negative Ladezustände
Ist die Akkukapazität zu klein, um alle geplanten Fahrten oder Arbeiten abzudecken, kann die Simulation
negative Ladezustände anzeigen. Dies weist darauf hin, dass die eingegebene Kapazität unter den angenommenen
Bedingungen nicht ausreicht. Im Plot werden Bereiche mit negativen Ladeständen rot markiert. In diesem Fall
sollte die Gesamt - Kapazität erhöht oder die Ladeleistung erhöht werden oder auch PV-Anlage passender
dimensioniert werden, denn der Simulator verwendet zum Laden vorrangig PV-Überschaussstrom.
Kosten und Amortisation
In der Tabelle "Vergleich: technologieabhängige Kosten" siehst du in der letzten Zeile wie viel Geld man sich
pro Monat unter den gegebenen Annahmen für verschiedene Szenarien sparen kann. Das Ganze gilt für den unter
"Lebensdauer" angegebenen Zeitraum. In der Zeile "Treibstoff + Öl" wird berücksichtigt, dass - eine Faustformel -
zu den Treibstoffkosten bei Verbrennungsmotoren noch etwa 10% für Schmieröl hinzugerechnet werden müssen,
die bei Elektrofahrzeugen weitgehend entfallen. Wichtig ist, dass hier nur technologieabhängige Kosten aufgelistet
sind, nicht etwa die Anschaffung des eigentlichen Autos, oder das Bremsenservice, diese Kosten hat man so oder so.
Im Plot "Kapitalentwicklung" kannst du auch die Amortisationszeit ablesen,
nämlich dort, wo die Linie des jeweiligen Szenarios die Nullinie schneidet.
Die Amortisationszeit gibt an, nach wie vielen Jahren sich eine
Investition durch eingesparte Energie- und Betriebskosten rechnerisch
bezahlt gemacht hat.
Die tatsächliche Wirtschaftlichkeit hängt unter anderem von
folgenden Faktoren ab:
Investitionskosten,
Strom-, Benzin- und Dieselpreise,
Eigenverbrauch des PV-Stroms,
Einspeisevergütung,
Wartungs- und Betriebskosten,
Lebensdauer der Anlagen und Akkus,
jährlicher Energieverbrauch.
Strom- und Geldfluss
Wenn ein Spotpreistarif ausgewählt wurde, kann zusätzlich der Zusammenhang zwischen Strompreis,
Energieverbrauch und "Geldfluss" betrachtet werden. Der Geldfluss wird in € je 1/4 Stunde angezeigt.
Ein niedriger Strompreis wird beispielsweise möglichst zum Laden der Akkus
genutzt. Bei hohen Preisen wird möglichst gespeicherte Energie genutzt, um den
Netzbezug zu reduzieren. Gespeicherte Energie wird nur im Haus (oder Betrieb) genutzt (Power-to-Home, PtH),
eine Einspeisung ins Netz (Power-to-Net, PtN) ist (noch) nicht vorgesehen.
Diagramme bedienen
Die Diagramme können interaktiv ausgewertet werden:
Zum Zoomen kann der gewünschte Bereich aufgezogen werden.
Mit einem Doppelklick wird die ursprüngliche Ansicht wiederhergestellt.
Durch einen Klick auf einen Eintrag in der Legende können einzelne
Kurven ein- oder ausgeblendet werden.
9. Beispiele für die Anwendung
Beispiel 1: PV-Anlage für einen landwirtschaftlichen Betrieb
Ein Betrieb kann untersuchen, wie groß eine PV-Anlage sein sollte,
damit möglichst viel Solarstrom direkt für Gebäude, Maschinen und
Batteriespeicher genutzt wird. Lege dafür einen Fuhrpark bestehend aus mehreren Traktoren und/oder
Mähdrescher(n) an. Wähle das Profil "Landwirtschaft" oder "Landwirtschaft, Milchbetrieb" und gib den
Jahresstromverbrauch ein.
Beispiel 2: E-Traktor mit Batteriespeicher
Mit den Arbeitszeiten des Traktors lässt sich prüfen, welche Akkukapazität notwendig ist und ob der Traktor
zwischen den Einsätzen ausreichend geladen werden kann. Man kann auch das Szenario Wechselakkus simulieren:
Gib z.B. 300 kWh beim Kapazität beim Traktor ein, und 600 kWh gesamt-Kapazität. Der Simulator interpretiert,
dass während der Einsatzzeit (siehe Tagesprofil) nur 300 kWh zum Laden zur Verfügung stehen. Der Akku wird
während dem Einsatz gewechselt.
Beispiel 3: Spotpreisoptimiertes Laden
Bei einem variablen Stromtarif kann simuliert werden, ob das automatische Laden zu günstigen Zeiten die
Energiekosten senkt. Ist eine PV-Anlage vorhanden (PV-Leistung > 0), dann wird möglichst bei niedrigem
Spotpreis der Puffer geladen, und bei höheren Preisen ins Netz eingespeist, wenn PV-Überschussstrom
vorhanden ist. Noch etwas experimentell: wenn die PV-Leistung 0 ist und kein Fahrzeug angelegt ist (oder
per Checkbox(en) deaktiviert sind), wird der Puffer zu Niedrigtarifzeiten aus dem Netz geladen und während
höheren Preisen wird der Netzbezug reduziert. So kann z.B. simuliert werden, ob sich ein Gewerbespeicher
lohnt, oder wie groß die optimale Größe ist.
Beispiel 4: Ost-West-PV-Anlage
Eine Ost-West-Ausrichtung kann mit einer Südausrichtung verglichen werden. Dabei lässt sich untersuchen,
elche Variante besser zum täglichen Verbrauchsprofil passt. Für eine Ost-West-PV-Anlage lege zwei Module an,
wobei eines nach Osten (z.B. -90°) und eines nach Westen (+90°) ausgerichtet ist. Natürlich können die
genauen Werte der Dachausrichtung eingegeben werden, wenn das Haus nicht genau Ost-West orientiert ist.
Beispiel 5: Mähdrescher
Nachdem ein Mähdrescher oft nur wenige Wochen im Jahr im Einsatz ist, aber dann sehr lange Einsatzeiten mit
hohem Verbrauch pro Tag hat, ist es hier besonders interessant, den Akku während der Standzeiten zum Puffern
zu verwenden. Wenn der Mähdrescher z.B. mit 500 kWh Akkus bestückt wird, und am Hof insgesamt 1000 kWh zur
Verfügung stehen, macht es Sinn, den Ziel-Ladestand auf 50% einzustellen. Wenn der Mähdrescher benötigt wird,
werden ohnehin alle Akkus, beginnend 12 Stunden vorher auf den erforderlichen Stand gebracht, während der
restlichen Zeit können 500 kWh komplett zum Puffern genutzt werden.
10. Häufige Fragen
Was bedeutet kWp?
kWp steht für Kilowatt Peak und bezeichnet die maximale
Nennleistung einer Photovoltaikanlage unter standardisierten
Testbedingungen.
Was ist der Unterschied zwischen kW und kWh?
kW beschreibt eine Leistung, also wie viel Energie pro Zeit
umgesetzt werden kann. kWh beschreibt eine Energiemenge. Ein Gerät
mit 10 kW Leistung, das eine Stunde betrieben wird, verbraucht
10 kWh Energie.
Warum ist eine größere PV-Anlage nicht immer wirtschaftlicher?
Eine größere PV-Anlage erzeugt zwar mehr Strom, kann aber auch mehr Energie zu Zeitpunkten erzeugen, an
denen der Strom nicht selbst verbraucht wird. Dann wird ein größerer Anteil eingespeist oder benötigt
zusätzliche Speicherkapazität. Das ist abhängig von den Anlagenkosten, dem Stromtarif, Verbrauchsprofil,
Standort, Kapitalkosten, etc.
Warum kann ein negativer Ladezustand angezeigt werden?
Ein negativer Ladezustand weist darauf hin, dass die eingegebene
Akkukapazität für die geplante Nutzung nicht ausreicht. Die Anzeige
macht sichtbar, an welchen Zeitpunkten ein zusätzlicher Akku,
eine höhere Ladeleistung oder eine Anpassung des Nutzungsprofils
erforderlich wäre.
Welche Daten sollte ich für eine realistische Simulation verwenden?
Verwende möglichst tatsächliche Verbrauchsdaten, realistische
Arbeits- und Fahrzeiten, die geplante PV-Leistung sowie aktuelle
Investitions- und Energiekosten. Je besser die Eingabedaten sind,
desto hilfreicher ist der Vergleich verschiedener Szenarien.
Zusammenfassung
Der Energiefluss-Simulator hilft dabei, die Auswirkungen von
Photovoltaik, Batteriespeichern und elektrischen Fahrzeugen auf den
Energieverbrauch und die Kosten zu untersuchen.
Besonders aussagekräftig wird die Analyse, wenn mehrere Varianten
miteinander verglichen werden – zum Beispiel unterschiedliche
PV-Leistungen, Akkukapazitäten, Fahrzeugnutzungen oder Stromtarife.